Geschichte des Hafens

Die ersten schriftlichen Quellen, in denen der Freihafen Ventspils erwĂ€hnt wird, datieren aus dem Jahr 1263. Auch von Ventspils an sich wurde bereits im 13. Jahrhundert berichtet, als deutsche Kreuzritter eine Festung in der Ostseeregion nahe des Flusses Venta errichteten und begannen, erste Kais fĂŒr Handelsschiffe zu bauen.  WĂ€hrend des Mittelalters wurde Ventspils dann Mitglied des Handelsverbands norddeutscher StĂ€dte – der Hanse. Dank der Hanse schlossen sich die nahe der Ostsee gelegenen StĂ€dte zusammen und einigten sich auf ein Handelsmonopolrecht .

Hafen Ventspils 750

Geschichte des Hafens

Unter Herzog Jakob von Kettler (1642-1682) erlebte Ventspils einen bedeutenden Aufschwung und wurde zum fĂŒhrenden Hafen und Industriezentrum des Herzogtums Kurland und Semgallen. Mehr als 135 Schiffe, die spĂ€ter in Europa verkauft wurden, stellte die Werft von Ventspils her. Nach 1682 kam das Hafenleben fast vollends zum Erliegen.

Erst als das Herzogtum Kurland Semgallen 1795 Teil des Russischen Reichs wurde, konnte Ventspils seinen Status als strategisch wichtiger Verkehrsknotenpunkt wiedergewinnen. Die meisten OstseehĂ€fen, die zu Russland gehörten, froren im Winter fĂŒr meist 6 Monate zu. Durch seine Eisfreiheit erreichte der Hafen Ventspils besondere Aufmerksamkeit und wurde von Russland zunehmend fĂŒr den Import- und Exporthandel mit westeuropĂ€ischen Staaten genutzt.

Ende des 19. Jahrhunderts begann eine intensive Ausbauphase des Hafens. Neue Kais, Molen, Lagerhallen und Keller wurden gebaut sowie ein riesiges japanischer Getreidesilo mit Trocknungsanlage, das es weltweit so nur in Ventspils gab. Durch den Bau der Bahnlinie Moskau-Ventspils Anfang des 20. Jahrhundert  wurde Ventspils zum ersten Ostseehafen, der ans russische Eisenbahnnetz angeschlossen war. 1912 ĂŒbertraf der GĂŒterumschlag in Ventspils den in Liepaja (Liebau) bereits deutlich.

WĂ€hrend der beiden Weltkriege bzw. in der Zeit dazwischen, in der Lettland zu einem unabhĂ€ngigen Staat wurde, verlor der Hafen Ventspils seine herausragende Stellung. Im Hafen dominierte Holzverarbeitung - der mechanische Fortschritt der Vorkriegszeit setzte sich nicht fort und der Hafenbetrieb stagnierte.

Erst in den 1950er Jahren ging es wieder bergauf, als Stadt und Hafen gemeinsame InfrastrukturplĂ€ne entwarfen, die u.a. ein Straßennetz, sichere Stromversorgung und neue Standorte fĂŒr Lagerhallen von Frachtgut vorsahen. Ventspils wurde zum UdSSR-Export- und Verarbeitungszentrum fĂŒr u.a. Öl und Chemikalien. In den 1960er Jahren erlangte Ventspils seinen Status als wichtiges Transitzentrum zurĂŒck.

Nach erneuter Wiedererlangung der UnabhĂ€ngigkeit Lettlands begannen in der zweiten HĂ€lfte des Jahres 1990 die Umstrukturierung und eine groß angelegte Modernisierung des Hafens - eine Vertiefung des Hafengebiets und des Flussbettes der Venta, Rekonstruktion der hydrotechnischen Anlagen und Ausbau der Kais. Die neue Verwaltung des Hafens (seit 1990 die Behörde des Freihafens Ventspils) wurde grĂ¶ĂŸte Betreiberin und Entwicklerin des Hafengebiets. Die GrĂŒndung der Sonderwirtschaftszone (SWZ) im Jahr 1997 ermöglichte es den Unternehmen, erhebliche Steueranreize zu erwerben und in die Umwelt zu investieren. Seit 2002 bemĂŒht sich die Behörde des Freihafens Ventspils um die Entwicklung des Industriegebiets im Freihafen, um weitere Industrieunternehmen nach Ventspils zu locken.

Zurzeit betrĂ€gt die GesamtflĂ€che des Hafens Ventspils ca. 2.500 ha. Dieses Industriegebiet ist ideal fĂŒr aufstrebende Unternehmen, die sich mit Hafen und industrieller Produktion beschĂ€ftigen , z.B. Ölprodukten, Rohöl, FlĂŒssigchemikalien, Kohle, verschiedenen Metallen, DĂŒngemitteln, Holz, Getreide, Saftkonzentraten. In den Terminals werden Container und unterschiedliches StĂŒckgut vor allem in die Regionen der EU, der GUS und nach Asien umgeladen.

In den letzten Jahrzehnten wĂŒrden anspruchsvolle Investitionsvorhaben im Hafen Ventspils durchgefĂŒhrt. Diese  haben die WettbewerbsfĂ€higkeit des Hafens gesteigert sowie fĂŒr eine ausgewogene Entwicklung bei der industriellen Produktion gesorgt. Im letzten Jahrzehnt realisierte der Freihafen Ventspils große Investitionsprojekte. Diese stĂ€rkten die WettbewerbsfĂ€higkeit des Hafens und eine ausgewogene Entwicklung der industriellen Produktion nachhaltig. Die Stadt entwickelte ein Industriegebiet, in dem Unternehmen tĂ€tig sind, die sich auf die Herstellung hochwertiger Dienstleistungen und Produkte in den Bereichen IT, Telekommunikation, Elektronik, Maschinenbau, Industrieautomatisierung, Computerdesign, Raumfahrttechnik und anderen Branchen spezialisiert haben.

Dem Hafen kommt im 21. Jahrhundert eine neue Rolle (Community Manager) zu. Der Freihafen entwickelt seine Außendarstellung fortlaufend weiter und ist durch seine PR-Abteilung stets bemĂŒht die Kommunikation zwischen Partnerunternehmen und Gesellschaft hochzuhalten. Die Zeiten sind lĂ€ngst vorbei, in denen Ventspils nur als Ort galt, den man einfach nur schnell durchfĂ€hrt. Heute zĂ€hlt Ventspils zu den schönsten StĂ€dten der OstseekĂŒste. Ventspils gilt als moderne, saubere Stadt mit gut ausgebauter Infrastruktur, die ĂŒber viele kulturelle Angebote und alle Arten von Bildung, Sport und FreizeitaktivitĂ€ten verfĂŒgt. Ventspils ist ein Ort, der einen modernen Hafen, innovative Produktionsstandorte und wunderschöne StrĂ€nde miteinander vereint, weswegen die Stadt zunehmend mehr und mehr Besucher aus anderen LĂ€ndern anzieht.